Selbstständig – heißt auch wirklich „Selbst“ und „Ständig“.

Selbständig. Was für eine Entscheidung. Bevor ich mich selbstständig gemacht habe, war mir nicht wirklich bewusst, was das tatsächlich auf in der täglichen Umsetzung bedeuten würde.  Nach über zehn Jahren auf Unternehmensseite, wurden mir bestimmte Themen abgenommen. Und daran hatte ich mich gewöhnt. Sei es, dass ich immer Büromaterial zur Verfügung hatte und mich nicht um die Nachversorgung kümmern musste. Technik, die nicht funktionierte, wurde für mich schnellstmöglich repariert oder wieder in Stand gesetzt. War etwas kaputt, bekam ich es ersetzt. Und die Buchhaltung – die Buchhaltung fehlt mir tatsächlich sehr. Wir Menschen sind Gewohnheitstiere und ja, ich habe mich an viele Services, die ein Angestelltendasein mit sich bringt gewöhnt. Nach einem Jahrzehnt in Unternehmen kann mir das aber auch keiner vorwerfen, oder?

Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich mich selbständig gemacht. Ein großer Schritt für mich, aber er hat sich gelohnt. Meine erste Halbjahresbilanz ist sehr positiv und ich glaube, nein ich weiß, dass dieser Erfolg nur mithilfe meines großartigen Netzwerkes möglich ist. Ich arbeite mit tollen Menschen an verschiedenen Projekten und das ist etwas, das mir im Unternehme gefehlt hat. Dort hatte ich zwar unterschiedliche Projekte, z.B. habe ich dort Pressearbeit gemacht, aber auch Webseiten neu gestaltet, Unternehmensbroschüren oder Flyer entworfen und verfasst und viele, viele Veranstaltungen organisiert. Aber es war immer dieselbe Firma mit denselben Themen. Heute ist das anders. Mein Alltag ist vielfältiger, abwechslungsreicher und vor allem flexibler. Es wird von mir nicht erwartet, dass ich jeden Tag 8 Stunden im Büro verbringe. Es wird von mir ausschließlich erwartet, dass ich gute Ergebnisse liefere zu den vereinbarten Terminen, wo ich arbeite und wie ich mir meine Zeit einteile, das interessiert meine Kunden nicht.

Flexibilität erfordert Disziplin

Flexibilität erfordert aber sehr viel Disziplin und vor allem gutes Organisationstalent. Denn mir stehen heute nicht mehr die Services zur Verfügung, die ich eingangs genannt habe. Wenn mein Notebook, oder noch schlimmer mein Telefon, kaputt sind, muss ich reagieren und das Problem schnell lösen. Oftmals funktioniert die Technik genau dann nicht, wenn ich eine Deadline habe. In meiner ersten Woche funktionierte eines Morgens mein W-Lan nicht. Und ich musste bis Mittag ein Projekt an den Kunden liefern.  PANIK! Glücklicherweise lebe und arbeite ich in Berlin, umgeben von Cafés und Co-Working Spaces, die mir eine schnelle Lösung bieten. Aber ich bin mir bewusst, dass dies nicht jedem so geht. Dann erfordert es Ruhe und bestenfalls ein gutes Netzwerk, auf das ihr zurückgreifen könnt. Dann arbeitet ihr einfach bei einer Freundin oder gar bei den Eltern, sofern diese in der Nähe leben.

Was mir vor allem nicht klar war – zumindest nicht in diesem Ausmaß – ist der bürokratische Aufwand, der jeden Monat und eigentlich am Ende jeder Woche auch mich zukommt. Allein die Zeiterfassung für die verschiedenen Projekte nimmt echt mehr Zeit in Anspruch, als mir vorab klar war. Rechnungen  sammeln und sorgfältig ablegen, Reisen buchen, ach was da alles so anfällt, was mir vorher abgenommen wurde.

„Netzwerkt, was das Zeug hält.“

Ein Aspekt der Selbständigkeit blieb mir bislang erspart, die Suche und Akquise neuer Kunden. Auch hier kann ich meinem Netzwerk nur danken, jeden Tag wieder. Ich habe meine bisherigen Projekte alle über dieses Netzwerk gefunden und musste mich nicht um Kundenakquise kümmern. Der Tag wird kommen, da bin ich mir sicher, an dem ich mich in diesen Pool stürzen werde, aber heute kann ich dazu noch keine Erfahrungen teilen. Außer: Netzwerkt, was das Zeug hält. Ja, nach einem anstrengenden Tag möchte jede am liebsten nur nach Hause und aufs Sofa. Aber ich gehe jede Woche auf mindestens eine, oft auch mehrere Veranstaltungen. Ich engagiere mich zudem sehr aktiv bei FIELFALT und bin Mentorin in einem Mentoring-Programm (über das ich von FIELFALT erfahren habe – der Kreis schließt sich).  Allein über diese Aktivitäten lerne ich regelmäßig spannende neue Menschen, darunter sehr viele inspirierende Frauen, kennen. Und darüber finde ich auch tolle Projekte.

Alles in allem waren die vergangenen Monate beruflich die spannendsten Monate meines Lebens. Raus aus dem gefühlten Sicherheitsnetz und ab ins Selbständigkeitsdasein. Natürlich mache ich mir auch Gedanken, ob es immer so weitergehen wird wie bisher und was ich machen soll, wenn es mal nicht so läuft. Aber dann denke ich wieder, wenn es soweit ist, findet sich eine Lösung. Denn wenn eine Tür zugemacht wird, geht irgendwo ein Fenster auf.

Mein Resümee nach 14 Monaten Selbständigkeit:  Ja, es war eine gute Entscheidung!

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